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Informationen zur Wolfspräsenz

In regelmässigen Abständen informiert die Wildhut über die aktuelle Wolfspräsenz in der Gemeinde Ilanz/Glion.

03.07.2020: Verhaltensregeln gegenüber dem Wolf und Mutterkühen

Aufgrund der Wolfspräsenz in unserer Gemeinde und Region möchten wir Einheimischen und Gästen weitere Informationen abgeben.

Allgemein
Eine Natur- und Kulturlandschaft bietet sowohl Wildtieren als auch Sporttreibenden Raum. Generell ist zu beachten, dass dort, wo sich Wildtiere aufhalten Freizeitaktivitäten mit Rücksicht betrieben werden. Dabei sind speziell Wildschutzgebiete zu beachten. Weitere Infos auf www.ajf.gr.ch -> Wildschutzgebiete.

Von Wölfen geht keine direkte Gefahr aus. Alle Freizeitaktivitäten sind weiterhin möglich und können wie bisher ausgeführt werden! Werden die Verhaltensregeln eingehalten, besteht für Wanderer, Biker, Jogger und andere Outdoor-Aktivitäten keine Gefahr. Auch Kinder können unter Aufsicht weiterhin im Wald spielen. Siehe Merkblatt Unterwegs im Wolfsgebiet www.wolf.gr.ch.

Verhaltensregeln gegenüber dem Wolf
Wölfe fliehen nicht immer sofort. Es ist völlig normal, dass ein Wolf zuerst die Situation einschätzt und erst nach kurzer Zeit sich langsam davonmacht oder flieht.

- Wenn Sie einem Wolf begegnen, bleiben Sie ruhig stehen. Bemerkt der Wolf, dass Sie ihn entdeckt haben, zieht er sich in der Regel zurück.
- Wenn der Wolf nicht sofort flieht, machen Sie mit bestimmter Stimme auf sich aufmerksam.
- Versuchen Sie auf gar keinen Fall, sich dem Wolf zu nähern, auch nicht, um das Tier zu fotografieren.
- Verfolgen Sie nie einen Wolf.
- Wölfe können Hunde als Eindringlinge ins eigene Revier oder als Beutetiere betrachten. Halten Sie ihren Hund immer unter persönlicher Kontrolle oder leinen Sie ihn an.

Weitere fachliche Informationen www.ajf.gr.ch -> Grossraubtiere.

Verhaltensregeln gegenüber Mutterkuhherden
Im Allgemeinen sind Kühe neugierig und nicht gefährlich. Beim Betreten von Kuhweiden ist jedoch immer auf die Tiere und deren Verhalten zu achten. Dazu beachten Sie bitte folgendes:

- Mutterkühe beschützen ihre Kälber. Halten Sie Abstand.
- Nehmen Sie ihren Hund an die Leine und halten Sie ihn unter Kontrolle.
- Verhalten Sie sich ruhig, scheuchen Sie die Tiere nicht auf und verängstigen Sie sie nicht.
- Schliessen Sie das Gatter und folgen Sie dem Wanderweg auf der Weide.
- Falls Kühe Ihren angeleinten Hund angreifen, lassen Sie ihn los, damit er fliehen kann. Ein Hund ist meist schnell genug, um einem Kuhangriff auszuweichen.

Drohgebärden von Kühen zeichnen sich durch Heben und Senken des Kopfes, Schnauben, Scharren und Brüllen aus. Bemerken Sie diese Alarmsignale, verlassen Sie die Weide langsam rückwärts. Schnelle Bewegungen wirken auf Kühe bedrohlich.

Quelle: Schweizer Wanderwege (www.wandern.ch)

Herdenschutzhunde
Durch die Rückkehr von Wolf und Bär brauchen Nutztiere auf Weiden wieder mehr Schutz. Auf unwegsamen Alpen können diese nur Herdenschutzhunde effizient bieten. Sie schützen ihre Herden selbstständig und instinktsicher Tag und Nacht und bei jedem Wetter.

Was tun, wenn Sie einem Herdenschutzhund begegnen?
Herdenschutz www.plantahof.ch oder www.herdenschutzschweiz.ch


Bei Fragen in Zusammenhang mit Wildtieren gibt Ihnen der/die zuständige WildhüterIn gerne Auskunft. Siehe www.ajf.gr -> Kontakte 


20.04.2020: App für Alarmierungssystem Grossraubtiere

Das Amt für Jagd und Fischerei rüstet seine Wildhüter für eine bessere Information der Bevölkerung über das Grossraubtiervorkommen im Kanton Graubünden mit einer App aus. Die App wird das bisherige Alarmierungssystem (SMS, Plantahof) für Landwirte, Alpverantwortliche, Imker, usw. ablösen. Zudem ist vorgesehen, dass sichere Ereignisse auf einer Karte auf der Homepage des Amts als Punkte dargestellt werden. Noch ist die App aber nicht eingerichtet, es braucht alles seine Zeit. Bis dahin wollen wir die Öffentlichkeit in den Gebieten mit vermehrter Wolfanwesenheit auf dem gewohnten Weg zeitnah informieren.

Die Wolfsrudel in den Regionen Surselva und Viamala

Wolfsrudelgebiete: Grau - Calandarudel; blau - Ringelspitzrudel; gelb - Valgrondarudel: rot - Beverinrudel; grün - Paarbildung obere Surselva

Beverinrudel:

Während dem Sommer/Herbst 2018 bildete sich ein Wolfspaar (F37/M92) um den Piz Beverin. Dieses Paar war während dem Sommer 2018 für Schafrisse in der Alp Stutz verantwortlich. Im Winter 2018/19 wurde es immer wieder im Schams und am Heinzenberg nachgewiesen. Im Sommer 2019 hatte dieses Wolfspaar den ersten Wurf und zog neun Welpen auf. Am Heinzenberg und im Safiental kam es während dieser Zeit zu zwei Übergriffen in geschützten Ziegenherden. Im Treisch (Safiental), sowie auf den Alpen Cugn und Gretg (Ilanz/Glion) wurden zudem Schafe gerissen.
Da 15 Ziegen in geschützten Weiden gerissen wurden, erteilte das BAFU dem Kanton Graubünden die Bewilligung, vier Jungwölfe aus diesem Rudel zu entnehmen. Diese wurden von der Wildhut im Herbst 2019 erlegt. Ein Jungwolf aus diesem Rudel starb bei einem Bahnunfall im Winter. Während den Wintermonaten 2019/20 hielt sich das Rudel vor allem im Raume Schams und Heinzenberg auf. Im März wurden Absplittungen von Tieren beobachtet. Zurzeit hält sich das Rudel aber immer noch im angestammten Revier auf. In letzter Zeit wurden Beobachtungen im Rheinwald und im Safiental wieder häufiger.

Ringelspitzrudel:

Im Herbst 2017 und Winter 2018 bildete sich ein Wolfspaar im Gebiet Vorab. Im Frühling 2018 wanderte das Paar bis zum Fusse des Ringelspitz ab (daher der Name Ringelspitzrudel), wo es ihren ersten Wurf aufzog. Es waren sieben Welpen, wovon drei im besagten Gebiet tödlich abstürzten. Mit den anderen vier Jungtieren zog das Wolfspaar im Spätherbst wieder zurück, wo sie fortan auf der linken und rechten Talseite von Ilanz leben. Ein weiteres Jungtier aus diesem Rudel verunfallte im Februar 2019 zwischen Flims und Trin auf der Kantonsstrasse. Bei Wolfspaaren, die das erste Mal Jungtiere aufziehen, ist es keine Seltenheit, dass es zu vermehrten Unfällen kommt, da sie in der Führung eines Rudels noch unerfahren sind. Im Jahre 2019 folgte der zweite Wurf. Es waren diesmal fünf Welpen. Von den 12 Nachkommen leben mit Sicherheit mindestens drei (höchstens fünf) im Gebiet und im Rudel. Die anderen sind entweder ums Leben gekommen, oder abgewandert.

Valgrondarudel:

Mitte Juli, sowie Ende August 2018 konnte eine Wölfin, nämlich die F38, in Medel und Obersaxen genetisch nachgewiesen werden. Im Winter 2019 hielt sie sich in den unteren Lagen zwischen Ilanz und Sumvitg auf. Dann kam der Sommer 2019, wo sie wiederholt Schafe im Gebiet Obersaxen riss. Manchmal nahm sie ein Schulterblatt mit. Somit lag die Vermutung nahe, dass sich ein Rudel gebildet hatte. Daraufhin machte ein Jäger eine Beobachtung zweier adulter Wölfe mit drei Welpen. In der Folge zog das Wolfspaar ihre ersten drei Jungen auf. Das weibliche Jungtier ist im Dezember infolge eines Bahnunfalls in Breil verendet. Die zwei männlichen Jungwölfe lebten bis Mitte April 2020 bei den Elterntieren.
Bemerkenswert ist, dass der Lebensraum des Ringelspitz- und des Valgrondarudels deutlich überlappt. Bei verwandten Alphatieren soll dies durchaus vorkommen. In diesem Fall sind die Alphatiere aber nicht verwandt. Die Wölfe sind immer für eine Überraschung gut.

Neues Rudel in der oberen Surselva:

Im Februar 2020 wurden in der oberen Surselva mittels Fotofalle zwei Wölfe zusammen nachgewiesen. Seit diesem Zeitpunkt ist die uns bekannte Wölfin F31 (F=feminin, 31= 31. Wolf welcher in der Schweiz genetisch nachgewiesen wurde), welche im Mai 2017 im Calandagebiet zur Welt kam, ständig mit einem Rüden (männlicher Wolf) unterwegs. Die Paarungszeit der Wölfe ist im Februar, somit kann mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass dieses Wolfspaar ein Rudel gründen wird. Das Paar war in den letzten 3 Monaten einige wenige Male unproblematisch am Rande von Streusiedlungen, sowie in der Nähe von Einzelhöfen beobachtet, beziehungsweise festgestellt worden. Im Sinne einer Vergrämungsaktion wurde der Rüde mit einem Senderhalsband versehen.


09.04.2020: Der Wolf lässt niemanden kalt. Während die einen ihn verehren, wird er von anderen verachtet

Während 150 Jahren galten Wölfe in Europa als ausgerottet. Seit der Jahrhundertwende ist der europäische Grauwolf nun wieder auf dem Vormarsch und erobert seinen ursprünglichen Lebensraum zurück. Leben mit dem Wolf stellt für die ländliche Bevölkerung eine grosse Herausforderung dar.

Ist der Wolf gefährlich? Wie halten wir den Wolf von Siedlungsgebieten fern? Wie verhalte ich mich bei einer Wolfsbegegnung? Wo kann ich mich hinwenden?

In Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Amt für Jagd und Fischerei soll auf dieser Plattform eine sachliche Auseinandersetzung, fernab von Polemik, Romantisierung oder Verteufelung ermöglicht werden. In regelmässigen Abständen werden aktuelle Informationen zum Umgang mit Wölfen und zur Wolfspräsenz in der Surselva veröffentlicht.

Es ist uns sehr wichtig, dass sowohl einheimische Anwohner als auch Feriengäste Einsicht zur aktuellen Wolfspräsenz in der Gemeinde Ilanz/Glion, aber auch Zugang zu fachlich fundierten Informationen betreffend Wolfsthematik haben.

Infoblatt